Product Change Notification für EMS Einkäufer, kurz erklärt

Eine Product Change Notification für EMS Einkäufer, kurz PCN, informiert über eine geplante Änderung an einem elektronischen Bauteil oder an seinem Herstellungsprozess. Die Änderung kann Materialien, Fertigungsstandorte, Gehäuse, Kennzeichnungen, Verpackungen, Prüfverfahren oder technische Eigenschaften betreffen. Deshalb müssen Einkauf und Entwicklung die Meldung gemeinsam prüfen.

Eine Product Change Notification ist nicht automatisch eine Bauteilabkündigung. Sie weist zunächst darauf hin, dass sich ein bisher eingesetztes Produkt oder ein zugehöriger Prozess verändert. Wenn diese Änderung Form, Einbaubarkeit, Funktion, Qualität oder Zuverlässigkeit beeinflusst, dann kann eine technische Bewertung oder Freigabe notwendig werden. Der Branchenstandard J STD 046 beschreibt die Anforderungen an die rechtzeitige Mitteilung solcher Änderungen.

Welche Angaben enthält eine Product Change Notification?

Eine PCN muss die geplante Änderung so genau beschreiben, dass der Kunde ihre Auswirkungen bewerten kann. Dafür muss sie die betroffenen Produkte eindeutig nennen und den bisherigen Zustand vom neuen Zustand abgrenzen.

Welche Bauteile sind von der PCN betroffen?

Eine Product Change Notification für EMS Einkäufer sollte alle betroffenen Herstellerteilenummern enthalten. Häufig umfasst eine Änderung nicht nur ein einzelnes Bauteil, sondern eine komplette Produktfamilie, mehrere Gehäusevarianten oder unterschiedliche Temperaturklassen.

Wichtige Angaben sind:

  • Hersteller und Produktfamilie
  • vollständige Herstellerteilenummer
  • betroffene Gehäuse und Varianten
  • bisheriger und neuer Produktstand
  • betroffene Bestellcodes
  • Date Code oder Lot Code
  • geplanter Beginn der Umstellung
  • Kennzeichnung des neuen Standes

Der Einkauf muss die genannten Herstellerteilenummern exakt mit den freigegebenen Stücklisten abgleichen. Ähnliche Bezeichnungen oder Produktfamilien reichen für eine sichere Zuordnung nicht aus.

Was kann sich am Bauteil ändern?

Eine PCN kann sichtbare und nicht sichtbare Änderungen enthalten. Eine neue Markierung oder ein anderes Verpackungsmaterial lässt sich häufig direkt erkennen. Ein veränderter Waferprozess, Bonddraht oder Mold Compound ist am fertigen Bauteil dagegen meist nicht äußerlich feststellbar.

Typische technische Änderungen betreffen:

  • Waferfertigung oder Halbleiterprozess
  • Wafergröße oder Fertigungsstandort
  • Die Design oder Chipfläche
  • Montage und Teststandort
  • Leadframe und Anschlussmaterial
  • Bonddraht und Bondverfahren
  • Mold Material und Gehäusewerkstoff
  • Beschichtung der Anschlüsse
  • Gehäusemaße und Toleranzen
  • Moisture Sensitivity Level
  • Bauteilkennzeichnung
  • Gurt, Spule oder Verpackung
  • elektrische Prüfverfahren
  • Prüfgrenzen und TestabdeckungDatenblatt und Spezifikationen

Welche Termine nennt eine Product Change Notification?

Eine Product Change Notification für EMS Einkäufer muss neben den technischen Angaben auch die zeitliche Umsetzung beschreiben. Die Termine zeigen, wie viel Zeit für Prüfung, Musterbeschaffung und Freigabe bleibt.

Wichtige Zeitangaben sind:

  • Veröffentlichungsdatum der PCN
  • Frist für Rückfragen oder Einwände
  • Termin der Musterverfügbarkeit
  • geplanter Abschluss der Qualifikation
  • erster möglicher Liefertermin
  • Beginn der Serienlieferung
  • Übergangszeitraum zwischen den Produktständen

Welche technischen Unterlagen gehören zu einer PCN?

Die Änderungsmitteilung allein reicht für eine belastbare Bewertung nicht immer aus. Der Hersteller sollte deshalb technische Nachweise bereitstellen, mit denen sich der bisherige und der neue Produktstand vergleichen lassen.

Eine vollständige Product Change Notification für EMS Einkäufer enthält oder verweist auf:

  • eindeutige PCN Nummer
  • Beschreibung der Änderung
  • Begründung der Änderung
  • Liste der betroffenen Produkte
  • Vergleich von Altstand und Neuzustand
  • erwartete technische Auswirkungen
  • aktuelles Datenblatt
  • Qualifikationsplan
  • Qualifikationsergebnisse
  • Zuverlässigkeitsdaten
  • Angaben zur Musterverfügbarkeit
  • Termin der geplanten Einführung
  • Kontaktdaten für technische Rückfragen

Was bedeuten Form, Fit und Function bei einer PCN?

Form, Fit und Function bilden einen wichtigen Ausgangspunkt für die technische Einordnung. Zusätzlich müssen Qualität, Zuverlässigkeit, Sicherheit und regulatorische Anforderungen berücksichtigt werden.

Form: Ändert sich die physische Ausführung?

Form beschreibt die äußeren Merkmale des Bauteils. Dazu gehören Gehäuseabmessungen, Höhe, Anschlussgeometrie, Gewicht, Kennzeichnung und Verpackungsform.

Eine Änderung kann beispielsweise die automatische optische Inspektion beeinflussen. Auch eine andere Oberfläche oder Markierung kann Anpassungen am AOI Programm erforderlich machen.

Fit: Bleibt das Bauteil einsetzbar?

Fit beschreibt die mechanische und fertigungstechnische Einbaubarkeit. Dabei geht es nicht nur um den Footprint auf der Leiterplatte.

Wenn sich das Gehäuse oder die Verpackung ändert, dann kann das Bauteil elektrisch kompatibel bleiben und dennoch eine Anpassung im Bestückungsprozess erfordern.

Function: Bleibt die elektrische Funktion erhalten?

Function beschreibt das Verhalten des Bauteils innerhalb der Schaltung. Ein Datenblattvergleich muss deshalb elektrische, thermische und zeitabhängige Eigenschaften berücksichtigen. Eine formal gleiche Funktion genügt nicht immer. Wenn sich beispielsweise typische Werte, Toleranzen oder thermische Eigenschaften verändern, dann können die Sicherheitsreserven der bestehenden Schaltung sinken.

Was unterscheidet PCN, PDN, EOL und NRND?

PCN: Produkt oder Prozess ändert sich, technische Auswirkungen prüfen

PDN: Produkteinstellung wird angekündigt, Restbedarf und Alternativen bewerten

EOL: Produkteinstellung wird angekündigt, Bevorratung oder Redesign planen

NRND: Nicht für neue Entwicklungen empfohlen, Einsatz in neuen Designs vermeiden

LTB: Letzter Bestelltermin, verbleibenden Gesamtbedarf bestimmen

LTS: Letzter Liefertermin, Lager und Serienplanung abstimmen

Eine PCN bedeutet somit nicht automatisch, dass das Bauteil ausläuft. Eine PDN oder EOL Meldung löst dagegen unmittelbaren Handlungsbedarf für Beschaffung, Second Source oder Redesign aus. Die internationale Norm IEC 62402 beschreibt Anforderungen an ein systematisches Obsoleszenzmanagement.

Was leistet JORATEC Solutions bei der technischen PCN Bewertung

Eine Product Change Notification für EMS Einkäufer muss immer im Zusammenhang mit der konkreten Schaltung, Leiterplatte und Anwendung betrachtet werden. JORATEC Solutions verbindet dafür Erfahrungen aus EMS Entwicklung, PCB Layout, Testing und Serienvorbereitung. So lassen sich technische Änderungen nicht nur anhand des Datenblattes, sondern bezogen auf das gesamte Elektronikprodukt bewerten.

JORATEC Solutions kann die gemeldete Änderung mit den Anforderungen der Schaltung, des PCB Layouts und der Anwendung abgleichen. Dadurch werden mögliche Auswirkungen auf Funktion, Verarbeitung und Zuverlässigkeit sichtbar.

Datenblätter, technische Spezifikationen und Qualifikationsunterlagen lassen sich strukturiert gegenüberstellen. Der Vergleich schafft eine nachvollziehbare Grundlage für die anschließende Freigabeentscheidung.

Abhängig von Art und Risiko der Änderung kann JORATEC Solutions geeignete Prüfungen definieren. Dazu können Dokumentenprüfungen, Musterprüfungen, Funktionstests oder anwendungsspezifische Vergleichsprüfungen gehören. Der EMS Service von JORATEC Solutions umfasst unter anderem Bauteilmanagement und zusätzliche Qualitätsprüfungen.

Häufige Fragen zum Thermal Management von Leiterplatten

Eine PCN führt nicht automatisch zu einer Änderung der Leiterplatte oder Baugruppe. Trotzdem müssen EMS Einkauf und Entwicklung die Meldung eindeutig zuordnen und ihre Relevanz prüfen. Die folgenden Antworten klären drei typische Fragen aus der Praxis.

Nein. Der Hersteller kann einen Fertigungsstandort, ein Material oder einen internen Prozess ändern, ohne eine neue bestellbare Teilenummer einzuführen. Deshalb sind PCN Nummer, Einführungstermin, Date Code und Lot Code für die Identifikation wichtig.

Nein. Eine Product Change Notification informiert grundsätzlich über eine Änderung an einem weiterhin verfügbaren Produkt. Eine PDN oder EOL Meldung kündigt dagegen die Einstellung des Bauteils an.

Ja, zumindest ihre Relevanz muss nachvollziehbar bewertet werden. Der notwendige Prüfumfang richtet sich jedoch nach der Änderung, der Anwendung und den Kundenanforderungen. Eine administrative Änderung benötigt meist weniger Aufwand als ein neuer Halbleiterprozess, ein anderes Gehäusematerial oder veränderte elektrische Eigenschaften.

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