Wusstest du schon?

NRND kennzeichnet Bauteile, die vom Hersteller nicht mehr für Neuentwicklungen empfohlen werden. Sie sind meist noch lieferbar, stehen jedoch kurz vor der Abkündigung oder werden nicht mehr aktiv weiterentwickelt.

NRND, Second Source und Einkauf

Warum Leiterplattenprojekte an fehlender Absicherung scheitern

Unternehmen mit eigenen Elektronikprodukten tragen die Verantwortung für Lieferfähigkeit, Kostenstabilität und Serienreife – nicht der Markt, nicht der Distributor und nicht der EMS-Dienstleister.

Für PCB-Einkäufer und Geschäftsführer wird genau hier das Thema NRND und Second Source zum strategischen Risikofaktor.

Was bedeutet NRND und warum betrifft dies den Einkauf?

NRND kennzeichnet Bauteile, die vom Hersteller nicht mehr für Neuentwicklungen empfohlen werden. Sie sind meist noch lieferbar, stehen jedoch kurz vor der Abkündigung oder werden nicht mehr aktiv weiterentwickelt.

Für Unternehmen mit Serienprodukten bedeutet NRND:

  • erhöhte Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten
  • steigende Preise bei sinkender Verfügbarkeit
  • hohes Risiko für ungeplante Designänderungen

NRND ist kein technischer Hinweis, sondern ein frühes wirtschaftliches Warnsignal.

Warum Einkäufer ohne Second Source unnötige Risiken eingehen

Viele Einkaufsabteilungen akzeptieren Single-Source-Bauteile, weil:

  • das Design bereits feststeht
  • Alternativen als aufwendig wahrgenommen werden
  • Verantwortung unklar verteilt ist

In der Praxis führt das zu:

  • Produktionsstopps bei Lieferengpässen
  • Ad-hoc-Entscheidungen ohne technische Absicherung
  • steigenden Kosten in Serie und Service

Fehlende Second Sources machen den Einkauf reaktiv statt steuernd.

Was ist Second Source und warum betrifft sie den Einkauf?

Second Source bezeichnet ein freigegebenes Alternativbauteil, das ein primäres Bauteil funktional ersetzen kann, ohne Design, Funktion oder Serienqualität wesentlich zu verändern.

Second Source betrifft den Einkauf unmittelbar, weil sie:

  • Verhandlungsspielräume schafft
  • Lieferfähigkeit absichert
  • Preis- und Abkündigungsrisiken reduziert

Ohne Second Source ist der Einkauf von Entwicklungsentscheidungen abhängig, die er nicht beeinflussen kann.

Was sollte ein Einkäufer tun, wenn keine Second Source freigegeben ist?

Wenn keine Second Source existiert, ist strukturiertes Vorgehen entscheidend:

  1. Single-Source-Bauteile identifizieren
    Stücklisten analysieren und kritische Bauteile kennzeichnen.
  2. Lifecycle-Status prüfen
    NRND-, EOL- oder Long-Lead-Time-Risiken bewerten.
  3. Entwicklung und EMS einbinden
    Klären, ob Footprint, Parameter und Prüfkonzept Alternativen zulassen.
  4. Hersteller- und Distributionsoptionen bewerten
    Gleicher Hersteller, andere Varianten oder geprüfte Ersatztypen prüfen.
  5. Risiken quantifizieren
    Auswirkungen auf Umsatz, Termine und Kunden darstellen.
  6. Managemententscheidung vorbereiten
    Bestand, Re-Design oder bewusste Risikoakzeptanz transparent machen.
  7. Second-Source-Fähigkeit zukünftig verankern
    Regeln für neue Designs und Bauteilauswahl definieren.

Die unterschätzten Risiken fehlender Second-Source-Strategien

Fehlende oder nicht freigegebene Second Sources sind kein theoretisches Problem, sondern eines der größten operativen und wirtschaftlichen Risiken in Elektronikprojekten.

1. Produktions- und Lieferausfallrisiken

Ohne Second Source entsteht eine direkte Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller oder Distributor. Kommt es zu Lieferengpässen, Produktionsausfällen oder geopolitischen Einschränkungen, kann die Fertigung kurzfristig stillstehen.

Für die Geschäftsleitung bedeutet das: Umsatzausfälle, Vertragsstrafen und ein unmittelbares Reputationsrisiko.

2. Kostenexplosion durch Monopolabhängigkeit

Single-Source-Bauteile verschieben die Verhandlungsmacht vollständig zum Lieferanten.

  • kurzfristige Preiserhöhungen
  • ungünstige Mindestabnahmemengen
  • steigende Logistik- und Expresskosten

Der Einkauf verliert seine Steuerungsfunktion und wird zum reinen Abwickler – mit direktem Einfluss auf die Marge.

3. Technisches Risiko durch ungeplante Bauteilwechsel

  • ohne vollständige Qualifikation
  • ohne ausreichende EMV- und Funktionstests
  • ohne Anpassung von Layout oder Prüfkonzept

Das Risiko von Serienfehlern, Feldausfällen oder Zulassungsproblemen steigt erheblich.

4. Verzögerungen bei Serie, Re-Design und Zertifizierung

  • Re-Designs der Leiterplatte
  • erneute Prüfungen (EMV, Sicherheit, Funktion)
  • verzögerte oder entwertete Zertifizierungen

Gerade bei regulierten Produkten wirkt sich dies massiv auf Time-to-Market und Marktzugang aus.

5. Intransparente Risiken für Geschäftsführung und Controlling

  • Abhängigkeiten sind nicht dokumentiert
  • NRND- oder EOL-Status wird nicht systematisch bewertet
  • wirtschaftliche Auswirkungen sind nicht quantifiziert

Damit fehlt der Geschäftsleitung die Grundlage für fundierte Entscheidungen.

6. Wissens- und Abhängigkeitsrisiken

  • Abhängigkeit von Schlüsselpersonen
  • Wissensverlust bei Personalwechsel
  • nicht reproduzierbare Entscheidungen

Ohne strukturierte Pflege in der Bauteilebibliothek ist das Risiko organisatorisch vorprogrammiert.

Second Source ist eine Geschäftsführungsaufgabe

  • Produktstrategie
  • Risikomanagement
  • Kapitalbindung
  • Kundenverantwortung

NRND-Bauteile und fehlende Second Sources sind Realität in der Elektronik. Unternehmen, die diese Risiken frühzeitig erkennen und strukturiert steuern, sichern ihre Produkte langfristig ab – technisch, wirtschaftlich und strategisch.

Geschäftsleiter müssen entscheiden, welches Risiko bewusst getragen wird und wo in Absicherung investiert wird. Der Einkauf liefert die Fakten – die Entscheidung liegt auf Managementebene.

Mehr technisches Wissen: EMS-Engineering Wissensbasis

In unserer Wissensbasis erklären wir zentrale PCB-Themen praxisnah.


Ideal für Entwickler, Einkäufer und Projektleiter, die ihre Elektronikprojekte robuster und effizienter machen wollen.

Interne EMS-Kapazitäten erweitern mit Joratec Solutions

Unser Kennenlern-Angebot für Ihre EMS-Entwicklung

Möchten Sie frühzeitig sicher stellen, dass Ihre Baugruppen stets problemlos in Serie laufen?

Dann können Sie uns direkt ansprechen.
In einem Startgespräch klären wir mit Ihnen gratis und vollkommen unverbindlich, was die richtigen Schritte für Sie sind.

Lernen Sie unsere EMS-Leistungen kennen.

Sie wollen wissen, wie wir Ihr Projekt technisch und wirtschaftlich nach vorn bringen?
Auf unserer Leistungsseite finden Sie alle Schritte von der Produktidee bis zur fertigen Leiterplatte.

Lernen Sie unsere EMS-Leistungen kennen.

Sie wollen wissen, wie wir Ihr Projekt technisch und wirtschaftlich nach vorn bringen?
Auf unserer Leistungsseite finden Sie alle Schritte von der Produktidee bis zur fertigen Leiterplatte.

Von der ersten Idee bis zur Serienreife

Projektgeschäft mit komplexen Anforderungen oder Serienfertiger mit bestehenden Produkten.

JORATEC Solutions leistet verantwortlich und voll umfänglich oder ergänzt Ihre internen Kapazitäten mit Fachwissen, klaren Prozessen und zuverlässiger Umsetzung.

Andere Beiträge, die Sie auch interessieren könnten